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Glosse von Mihail Eminescu

Jahre kommen, Jahre schwinden,
alt das Neue, neu das Alte.
Um das Wesen zu ergründen,
stets den Blick dir klar erhalte.
Hoffe nicht und sei nicht bange,
nichts ist flücht'ger als die Welle;
was man auch von dir verlange
bleibe kühl in eigner Helle.

Manches zieht an uns vorüber;
an das Ohr, es drängt so vieles;
wem wird da der Kopf nicht trüber
in der Wirrung des Gefühles?
Von den anderen dich löse,
um den Weg zu dir zu finden,
wenn in nichtigem Getöse
Jahre kommen, Jahre schwinden.

Daß des Schicksals Urteilswaage
nicht vom Trug des Augenblickes
schwanke aus der gleichen Lage,
traue nicht dem Schein des Glückes.
Die Minute hat's geboren
ohne Kraft daß sie es halte.
Es verkünden dir die Horen:
alt das Neue, neu das Alte.

Wie auf Vorstadtbühnen-Rampen
muß dir diese Welt erscheinen:
Königinnen spielen Schlampen
hohl ihr Lachen, leer ihr Weinen,
Ruhm und Schande, Haß und Liebe.
Daß die Sinne nicht erblinden,
halt dich fern von dem Getriebe,
um das Wesen zu ergründen.

Künft'gen Tag, vergangne Zeiten,
ihre Zeichen kannst du lesen
auf des gleichen Blattes Seiten;
beides: Werden und Gewesen.
Doch aus Anfang und aus Ende
dir die Gegenwart gestalte
und vor jeder weit'ren Wende
stets den Blick dir klar erhalte.

Denn dem Unabänderlichen
sprang noch keiner aus dem Rachen;
vor Jahrtausenden schon glichen
Menschen sich in Schmerz und Lachen.
Wechselt Maske auch und Stimme,
jeder folgt dem gleichen Drange
auf so täuschungsreicher Kimme.
Hoffe nicht und sei nicht bange.

Über Abgründe voll Schrecken
mußt du gehn zum reinen Firne
stets ein Ärgernis den Gecken
mit dem Stern auf deiner Stirne.
Mögen sie ihr schnöd' Verdienen
rühmen noch mit frecher Schelle,
mach dich nie gemein mit ihnen,
nichts ist flücht'ger als die Welle.

Mit dem Lockruf der Sirene
wirft die Welt nach dir die Netze
und bis zu der letzten Szene
jagt sie dich in wilder Hetze.
Klug entgehe ihrer Schlinge,
daß sich nie das Herz verfange,
nein, niemals dich ihr verdinge,
was man auch von dir verlange

Meide jegliche Berührung,
schweige vor den Lästerzungen.
Glaubst du noch an eine Führung
welker Greise, grüner Jungen?
Was sie reden ist Geschwätze,
kommt, wie sie, nicht von der Stelle.
Wahr' in dir des Herzens Schätze,
bleibe kühl in eigner Helle.

Bleibe kühl in eigner Helle,
was man auch von dir verlange.
Nichts ist flücht'ger als die Welle;
hoffe nicht und sei nicht bange,
Stets den Blick dir klar erhalte,
um das Wesen zu ergründen.
Alt das Neue, neu das Alte,
Jahre kommen, Jahre schwinden.

Vielleicht lieber morgen

Ich habe das folgende Gedicht vor gut 10 Jahren von einer Freundin zu lesen bekommen. Heute morgen beim Lesen von Ernest Dowson kam es mir wieder in den Sinn.

Auf einem gelben Stück Papier, grün liniert,
schrieb er ein Gedicht
Und er nannte es "Chops"
Denn das war der Name seines Hundes
Und nur darum ging es.
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
Und einen goldenen Stern
Und seine Mutter klebte es an die Küchentür
Und las es seinen Tanten vor
Das war das Jahr, als alle Kinder
Mit Father Tracy in den Zoo fuhren
Und sie sangen mit ihm im Bus
Und seine Schwester kam auf die Welt
mit winzigen Zehennägeln und kahl
Und seine Eltern küssten sich oft
Und das Mädchen um die Ecke schickte ihm
eine Valentinskarte mit vielen "X" -en
und er fragte seinen Vater, was die "X" -e bedeuteten
Und sein Vater brachte ihn am Abend ins Bett
Und war immer da, um das zu tun.

Auf einem weißen Stück Papier, blau liniert,
schrieb er ein Gedicht
Und er nannte es "Herbst"
denn es war gerade Herbst
Und nur darum ging es
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
und sagte, er solle präziser schreiben
Und seine Mutter klebte es nicht an die Küchentür
denn die war frisch gestrichen
Und die anderen sagten ihm,
das Father Tracy Zigaretten rauchte
Und sie in der Kirche fallen ließ
Und manchmal brannten sie Löcher in die Bänke
Das war das Jahr, als seine Schwester eine Brille bekam,
mit dicken Gläsern und schwarzem Gestell
Und das Mädchen an der Ecke lachte ihn aus,
als er mit ihr auf den Weihnachtsmann warten wollte
Und die anderen sagten ihm,
warum seine Eltern sich oft küssten
Und sein Vater brachte ihn abends nicht mehr ins Bett
Und sein Vater wurde wütend,
als er ihn weinend darum bat.

Auf einem Blatt aus seinem Notizbuch
Schrieb er ein Gedicht
Und er nannte es "Unschuld: Eine Frage",
denn das war die Frage, die seine Freundin betraf
Und sein Lehrer gab ihm eine Eins
Und sah ihn lange und seltsam an
Und seine Mutter klebte es nicht an die Küchentür
Denn er zeigte es ihr nicht
Das war das Jahr, als Father Tracy starb
Und er vergaß, wie das Glaubensbekenntnis ging.
Und er erwischte seine Schwester,
wie sie hinterm Haus herumknutschte
Und seine Eltern küssten sich nicht mehr
Und schwiegen sich an
Und das Mädchen an der Ecke trug zu viel Make-up
sodass er husten musste, wenn er sie küsste,
aber er tat es trotzdem,
weil es das war, was man halt tat
Und um drei Uhr morgens brachte er sich ins Bett,
während sein Vater nebenan schnarchte

Auf einem Stück brauner Papiertüte
versuchte er sich an einem Gedicht
Und er nannte es "Absolut Nichts",
denn nur darum ging es wirklich
Und er verpasste sich eine Eins
Und einen Schnitt in jedes Handgelenk
Und er klebte es an die Badezimmertür,
denn er glaubte nicht, dass er es noch
bis zur Küche schaffen würde

(Stephen Chbosky)

Absinthia Taetra

Green changed to white, emerald to opal;
Nothing was changed.
The man let the water trickle gently
Into his glass, and as the green clouded,
A mist fell from his mind.
Then he drank opaline.
Memories and terrors beset him.
The past tore after him like a panther and
Through the blackness of the present
He saw the luminous tiger eyes of the things
To be.
But he drank opaline.
And that obscure night of the soul,
And the valley of humiliation,
Through which he stumbled, were forgotten.
He saw blue vistas of undiscovered countries,
High prospects and a quiet, caressing sea.
The past shed its perfume over him,
To-day held his hand as if it were a little child,
And tomorrow shone like a white star:
Nothing was changed.
He drank opaline.
The man had known the obscure night of the soul,
And lay even now in the valley of humiliation;
And the tiger menace of the things
To be was red in the skies.
But for a little while he had forgotten.
Green changed to white, emerald to opal:
Nothing was changed.
(Written by Ernest Dowson.) This is one of the most beautiful poems I know. This page offers his other poems which also seem to be worth reading.

Gnome by Samuel Beckett

Spend the years of learning squandering
Courage for the years of wandering
Through a world politely turning
From the loutishness of learning.

Since I encountered "Waiting for Godot" for the first time almost 10 years ago, I have read Beckett again and again.